Ein Mitarbeitergespräch ist mehr als ein jährlicher Pflichttermin. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Sie mit Ihrer Vorgesetzten oder Ihrem Vorgesetzten in Ruhe über Ihre Arbeit, Ihre Entwicklung und Ihre Erwartungen sprechen können. Wer gut vorbereitet in dieses Gespräch geht, kann nicht nur ein ehrliches Feedback erhalten, sondern auch aktiv mitgestalten, wohin die eigene Karriere geht.
In der Schweiz sind strukturierte Mitarbeitergespräche in vielen Unternehmen fest etabliert, sei es als Jahresgespräch, als Standortgespräch oder als Zielvereinbarungsgespräch. Die Bezeichnungen variieren, der Kern bleibt ähnlich: Es geht um Rückblick, Gegenwart und Ausblick. Wer diesen Rahmen nutzt, profitiert deutlich mehr als jemand, der unvorbereitet erscheint.
Diese Checkliste hilft Ihnen, sich strukturiert vorzubereiten, die richtigen Fragen zu stellen und das Gespräch konstruktiv zu gestalten – ob Sie zum ersten Mal an einem solchen Gespräch teilnehmen oder es bereits kennen und diesmal mehr herausholen möchten.
Was gehört zur Vorbereitung auf das Mitarbeitergespräch?
Eine gute Vorbereitung beginnt nicht am Vorabend, sondern idealerweise ein bis zwei Wochen vor dem Termin. Nehmen Sie sich bewusst Zeit, um die folgenden Punkte durchzugehen:
- Welche Ziele wurden im letzten Gespräch vereinbart, und wie weit haben Sie diese erreicht?
- Was waren Ihre größten Erfolge im zurückliegenden Zeitraum?
- Wo gab es Schwierigkeiten, und welche Gründe hatten diese?
- Welche Aufgaben haben Ihnen besonders gut gelegen, welche weniger?
- Hat sich Ihre Rolle seit dem letzten Gespräch verändert – formal oder faktisch?
- Welche Entwicklungswünsche haben Sie für die nächsten zwölf Monate?
- Gibt es Themen, die Sie bisher nicht ansprechen konnten und die jetzt auf den Tisch sollten?
Notieren Sie Ihre Antworten schriftlich. Das zwingt Sie zum klaren Denken und hilft Ihnen, im Gespräch ruhig und fokussiert zu bleiben.
Wie sprechen Sie Ihre Leistungen richtig an?
Viele Angestellte unterschätzen, wie wichtig es ist, die eigene Arbeit klar benennen zu können. Es geht nicht darum, sich in Szene zu setzen, sondern darum, einen sachlichen Überblick zu geben, was Sie im vergangenen Zeitraum geleistet haben.
Bereiten Sie konkrete Beispiele vor, möglichst mit messbaren Ergebnissen. Anstatt zu sagen „Ich habe gut mitgearbeitet“, formulieren Sie lieber: „Ich habe das Projekt X bis Ende März abgeschlossen und dabei das Budget eingehalten.“ Konkrete Aussagen wirken überzeugender und helfen Ihrem Gegenüber, Ihre Leistung einzuordnen.
- Mindestens zwei bis drei konkrete Erfolge aus dem vergangenen Jahr notieren
- Beiträge benennen, die über die eigene Stellenbeschreibung hinausgingen
- Schwierige Situationen erwähnen, die Sie eigenständig gelöst haben
- Zahlen, Zeitrahmen oder Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen oder Kunden als Belege nutzen
Wie gehen Sie mit Feedback richtig um?
Feedback zu empfangen ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade wenn Kritik geäußert wird, reagieren viele Menschen defensiv oder weichen dem Thema aus. Im Mitarbeitergespräch ist es sinnvoll, Feedback zunächst offen anzuhören, ohne sofort zu widersprechen oder sich zu rechtfertigen.
Stellen Sie Verständnisfragen, wenn etwas unklar ist: „Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?“ oder „Was hätten Sie sich in dieser Situation anders gewünscht?“ Solche Fragen zeigen, dass Sie das Feedback ernst nehmen, und helfen Ihnen, daraus tatsächlich etwas zu lernen.
Umgekehrt können Sie im Gespräch auch selbst Feedback geben – zu den Arbeitsbedingungen, zur Zusammenarbeit oder zu Prozessen im Team. Das ist ausdrücklich Teil eines guten Mitarbeitergesprächs. Formulieren Sie Kritik sachlich und lösungsorientiert, zum Beispiel: „Ich merke, dass mir regelmäßigere Rückmeldungen bei Projekten helfen würden. Wäre das möglich?“
Checkliste: Feedback vorbereiten und geben
- Eigene Stärken und Entwicklungsfelder ehrlich einschätzen
- Konkrete Situationen notieren, in denen Sie sich mehr Unterstützung gewünscht hätten
- Feedback zur Führung oder zum Team sachlich und konstruktiv formulieren
- Keine pauschalen Vorwürfe, sondern spezifische Beobachtungen und Wünsche
- Offen bleiben für Sichtweisen, die von der eigenen Wahrnehmung abweichen
Wie vereinbaren Sie sinnvolle Ziele für die Zukunft?
Zielvereinbarungen sind ein zentraler Bestandteil vieler Mitarbeitergespräche. Häufig werden Ziele im Gespräch schnell festgelegt, ohne dass beide Seiten genau darüber nachgedacht haben, ob sie realistisch und messbar sind.
Gehen Sie mit eigenen Zielvorstellungen in das Gespräch. Überlegen Sie im Vorfeld, was Sie im nächsten Jahr erreichen möchten – beruflich, fachlich und persönlich. Ziele sollten klar formuliert sein, einen konkreten Zeitrahmen haben und überprüfbar sein.
- Zwei bis vier realistische Ziele für den nächsten Zeitraum formulieren
- Ziele so beschreiben, dass am Ende klar erkennbar ist, ob sie erreicht wurden
- Ressourcen oder Unterstützung benennen, die Sie zur Zielerreichung benötigen
- Nicht zu viele Ziele gleichzeitig vereinbaren – weniger ist hier mehr
- Ziele schriftlich festhalten und am Ende des Gesprächs bestätigen lassen
Wie sprechen Sie Ihre Entwicklungswünsche an?
Das Mitarbeitergespräch ist einer der geeignetsten Momente, um über Weiterbildung, neue Aufgaben oder Karriereschritte zu sprechen. Viele Angestellte scheuen dieses Thema, weil sie fürchten, zu anspruchsvoll zu wirken. Das ist unnötig.
Ein Gespräch über Entwicklung zeigt Engagement und Eigeninitiative – Eigenschaften, die in den meisten Unternehmen geschätzt werden. Überlegen Sie konkret, was Sie lernen oder ausprobieren möchten: eine Weiterbildung, ein neues Aufgabengebiet, mehr Verantwortung, eine andere Stelle im Unternehmen oder langfristig eine Führungsrolle.
Checkliste: Entwicklung gezielt ansprechen
- Konkrete Weiterbildungsinteressen nennen, möglichst mit Bezug zur aktuellen Arbeit
- Fragen, welche Entwicklungsmöglichkeiten das Unternehmen anbietet
- Den Wunsch nach neuen Aufgaben oder mehr Verantwortung klar kommunizieren
- Langfristige Karriereziele vorsichtig, aber ehrlich ansprechen
- Fragen, welche Schritte nötig wären, um einen bestimmten nächsten Schritt zu gehen
Darf das Thema Gehalt im Mitarbeitergespräch angesprochen werden?
In der Schweiz ist es üblich, das Thema Lohn im Zusammenhang mit dem Mitarbeitergespräch zu besprechen, auch wenn dies nicht in jedem Unternehmen automatisch Teil des Gesprächs ist. Wenn Sie eine Gehaltserhöhung ansprechen möchten, bereiten Sie sich sachlich vor.
Informieren Sie sich im Vorfeld über marktübliche Löhne für Ihre Funktion, Branche und Region. Stützen Sie Ihre Argumentation auf Ihre Leistungen, Ihre gestiegene Verantwortung oder auf Marktvergleiche – nicht auf persönliche Bedürfnisse. Formulieren Sie Ihren Wunsch konkret und ruhig, ohne Druck aufzubauen.
- Marktübliche Lohnspannen für die eigene Funktion und Region recherchieren
- Eigene Leistungen und gestiegene Verantwortung als Argumente nutzen
- Einen konkreten Wunsch nennen, anstatt vage zu bleiben
- Klären, bis wann mit einer Antwort zu rechnen ist, falls keine sofortige Entscheidung fällt
Was sollten Sie nach dem Gespräch nicht vergessen?
Das Mitarbeitergespräch endet nicht mit dem Verlassen des Besprechungsraums. Was besprochen wurde, sollte dokumentiert sein – idealerweise schriftlich und von beiden Seiten bestätigt.
Fragen Sie nach einem schriftlichen Protokoll oder einer Zusammenfassung, falls das in Ihrem Unternehmen nicht automatisch erstellt wird. Halten Sie Ihre eigenen Notizen fest und setzen Sie sich einen Termin, um die vereinbarten Ziele und Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen.
- Vereinbarte Ziele und Maßnahmen schriftlich sichern
- Fristen und nächste Schritte notieren
- Einen Termin für ein Zwischengespräch anfragen, wenn das sinnvoll erscheint
- Offene Punkte oder Zusagen im Blick behalten und bei Bedarf nachhaken
Häufige Fragen zum Thema
Wie lange im Voraus sollte ich mich auf das Mitarbeitergespräch vorbereiten?
Idealerweise beginnen Sie ein bis zwei Wochen vor dem Termin mit der Vorbereitung. So haben Sie genug Zeit, Ihre Leistungen zu reflektieren, Entwicklungswünsche zu formulieren und Fragen vorzubereiten, ohne unter Zeitdruck zu geraten.
Muss ich alles ansprechen, was mich stört?
Nein. Wählen Sie die Themen aus, die wirklich relevant sind und bei denen ein Gespräch etwas verändern kann. Kleinere Alltagsfrustration gehört nicht zwingend ins Jahresgespräch. Strukturelle Probleme, mangelnde Unterstützung oder Unklarheiten in der Rolle hingegen schon.
Was tun, wenn ich mit dem Feedback meiner Vorgesetzten nicht einverstanden bin?
Hören Sie zunächst ruhig zu und stellen Sie Verständnisfragen. Wenn Sie anderer Meinung sind, dürfen Sie das sachlich sagen und Ihre Sichtweise erklären. Es geht nicht darum, recht zu behalten, sondern um einen ehrlichen Austausch. Bei gravierenden Meinungsverschiedenheiten ist es möglich, einen Vorbehalt im Protokoll festhalten zu lassen.
Kann ich im Mitarbeitergespräch um eine Beförderung bitten?
Ja, das ist möglich und durchaus üblich. Formulieren Sie Ihren Wunsch klar und verbinden Sie ihn mit konkreten Leistungen sowie mit der Bereitschaft, entsprechende Verantwortung zu übernehmen. Fragen Sie auch, welche Voraussetzungen aus Sicht des Unternehmens erfüllt sein müssten.
Was passiert, wenn keine Ziele vereinbart werden?
Ein Gespräch ohne Zielvereinbarung verliert an Verbindlichkeit. Sprechen Sie aktiv an, dass Sie gerne gemeinsam konkrete Ziele festhalten möchten, und schlagen Sie bei Bedarf selbst welche vor. Das zeigt Eigeninitiative und sorgt dafür, dass das Gespräch eine klare Grundlage für die weitere Zusammenarbeit schafft.
Darf ich das Mitarbeitergespräch ablehnen?
In den meisten Unternehmen ist das Mitarbeitergespräch ein Teil der Führungskultur und wird erwartet. Eine Ablehnung ist selten sinnvoll, da das Gespräch auch Ihre Interessen schützt. Wenn Sie mit dem Format oder dem Zeitpunkt nicht einverstanden sind, können Sie das ansprechen und gemeinsam eine Lösung finden.

















