Lokführer-Ausbildung in der Schweiz: Dauer, Ablauf und Voraussetzungen
Dieses Thema Freunden empfehlen
  • Typische Ausbildungsdauer: meist 11 bis 18 Monate (je nach Bahn, Kategorie und Einsatzgebiet).
  • SBB Personenverkehr: Vollzeit oft 15 Monate, Teilzeit rund 20 Monate.
  • Kurze Programme: z. B. 6 Monate (Kat. B100) bei einzelnen Regionalbahnen.
  • Zusatzzeit einplanen: Auswahlverfahren/Eignungstests dauern häufig 3 bis 5 Monate.
  • Praxisrelevant: Je nach Anbieter sind Sie deutlich vor Ausbildungsende bereits unter Aufsicht im Betrieb – „allein“ fahren kommt später und schrittweise.

Die Lokführer-Ausbildung in der Schweiz dauert je nach Bahnunternehmen und Kategorie zwischen etwa 6 und 20 Monaten – plus Bewerbungs- und Eignungsphase.

Wer als Quereinsteiger:in startet, macht in der Regel eine bezahlte Zweitausbildung, die Theorie, Simulatortraining und Fahrpraxis eng verzahnt.

Wenn Sie wissen möchten, „wie lange das dauert“, lohnt sich eine saubere Trennung: (1) Auswahlverfahren und (2) eigentliche Ausbildung. In der Praxis sprechen Bahnunternehmen bei der Dauer meist nur über Punkt (2) – für Ihre Lebens- und Finanzplanung zählt aber beides.

Typische Dauer nach Bahnunternehmen

ProgrammRichtwert DauerWas das in der Praxis bedeutet
SBB Lokführer:in Personenverkehr (Vollzeit)ca. 15 MonateZweitausbildung, begleitet von Theorie, Simulator und Fahrpraxis.
SBB Lokführer:in Personenverkehr (Teilzeit)ca. 20 MonateTeilzeitmodell (z. B. 80%); dafür längere Gesamtdauer.
BLS Lokführer:in (Zweitausbildung)ca. 12–18 MonateModular – je nach Einsatzgebiet unterschiedlich lang.
SOB Lokführer:in (Zweitausbildung)ca. 11 MonateModular, mit Theorie und Praxis (u. a. Simulator).
Thurbo Lokführer:in (Grundausbildung)ca. 11 MonateQuereinstieg, in der Regel mit Lohn während der Ausbildung.
SZU Lokführer:in Kat. B100ca. 6 MonateKat. B100; Ausbildungskosten werden übernommen, Sie werden entlöhnt.
RhB Universal Lokführer:inmax. 18 MonateStufenmodell; nach ~9 Monaten (Triebzugprüfung) bereits selbständig auf definierten Leistungen möglich.
SBB Cargo (Kat. B100 oder Kat. B)12 MonateZweitausbildung; je nach Kategorie und Einsatz (regional vs. schweizweit) unterschiedliche Profile.

Wie lange dauert das Bewerbungs- und Auswahlverfahren zusätzlich?

Viele unterschätzen diesen Teil. Je nach Bahn und Region dauert das Bewerbungsverfahren mit medizinischen und psychologischen Eignungstests häufig rund 3 bis 5 Monate. Planen Sie diese Zeit unbedingt ein – gerade wenn Sie kündigen oder umziehen müssen.

Warum schwankt die Ausbildungsdauer so stark?

  • Kategorie und Einsatz: Programme für Kat. B100 (regional, bis 100 km/h) sind oft kompakter als der Weg zur „universelleren“ Kat. B.
  • Netz und Fahrzeugvielfalt: Je mehr Strecken, Regeln, Besonderheiten und Fahrzeugtypen, desto länger die Festigung.
  • Vollzeit vs. Teilzeit: Teilzeitmodelle verlängern die Gesamtdauer, können aber die Belastung reduzieren.
  • Lernformen: Präsenzunterricht, digitales Selbststudium, Simulator und Fahrpraxis werden je nach Anbieter unterschiedlich gewichtet.

Faustregel: So sieht ein realistischer Zeitplan aus

PhaseTypischer ZeitraumIhr Fokus
Bewerbung & Eignungca. 3–5 MonateTests, Abklärungen, Interviews, medizinische/psychologische Tauglichkeit.
Theorie & Regelnmehrere MonateVorschriften, Signale, Sicherheit, betriebliche Abläufe, Grundlagen Technik.
Simulator & begleitete Praxislaufend während der AusbildungStandardfälle, Störungen, Routine; danach steigende Verantwortung im Realbetrieb.
Prüfungen & Abschlussgegen AusbildungsendeTheoretische und praktische Fähigkeitsprüfung, danach Einsatz im Regelbetrieb (weiter begleitet je nach Bahn).

Vollzeit oder Teilzeit: Was bedeutet das für die Dauer?

Teilzeit ist möglich – aber selten „gratis“. Ein typisches Modell ist eine Ausbildung im 80%-Pensum, die dann statt rund 15 Monaten rund 20 Monate dauern kann. Für viele Quereinsteiger:innen ist das attraktiv, weil es Lern- und Erholungsphasen besser verteilt.

Wie viel Zeit braucht das Lernen neben dem Unterricht?

Je nach Bahn ist der Selbstlernanteil hoch. Es kann vorkommen, dass Sie zusätzlich zum Unterricht zweistellig pro Woche Zeit fürs Selbststudium einplanen müssen – das ist einer der häufigsten Gründe, warum Kandidat:innen die Belastung anfangs falsch einschätzen.

Personenverkehr vs. Güterverkehr: Wird es länger?

Nicht zwingend. Entscheidend ist die Kategorie (z. B. B100 vs. B) und ob Sie „regional“ oder „schweizweit“ unterwegs sind. Im Güterverkehr kommen je nach Rolle zusätzliche Inhalte wie Rangierprozesse, Wagenprüfungen oder betriebliche Untersuchungen stärker zum Tragen.

Expert:innen-Meinungen aus der Praxis (Auswahl)

  • SBB (Personenverkehr, Berufsbild): Betont die Kombination aus Theorie, Simulator und Praxis sowie die Abschlussprüfungen nach Vorgaben des BAV.
  • SBB (Teilzeitmodell): Nennt für die Teilzeit-Ausbildung im 80%-Pensum eine Dauer von rund 20 Monaten.
  • SBB (Kampagneninfo Quereinstieg): Kommuniziert eine typische Ausbildungsdauer von 15 Monaten für die Lehrgänge.
  • BLS (Zweitausbildung): Weist auf eine modulare Ausbildung von 12–18 Monaten hin – abhängig vom Einsatzgebiet.
  • SOB (Zweitausbildung): Nennt 11 Monate und hebt die modulare Struktur inklusive Praxis (u. a. Simulator) hervor.
  • Thurbo (Berufsbild/Ausbildung): Spricht von rund 11 Monaten und stellt die bezahlte Ausbildung heraus.
  • SZU (Quereinstieg Kat. B100): Nennt 6 Monate bis zur theoretischen und praktischen Fähigkeitsprüfung und betont Kostenübernahme sowie Entlöhnung.
  • RhB (Lokführer/in): Beschreibt eine modulare Ausbildung bis maximal 18 Monate; nach rund 9 Monaten sind definierte Einsätze bereits selbständig möglich (nach Prüfungsschritt).
  • SBB Cargo (Berufsbild): Kommuniziert eine bezahlte zwölfmonatige Zweitausbildung und beschreibt Unterschiede zwischen Kat. B100 (regional) und Kat. B (schweizweit).
  • Berufsberatung.ch (Berufsbild Lokführer/in): Nennt als Richtwert 3–5 Monate Bewerbungsprozess inkl. medizinischer und psychologischer Eignungstests.
  • Bundesamt für Verkehr (BAV): Verweist auf Führerausweis/Bescheinigungen nach VTE und den regulatorischen Rahmen für die Zulassung.
  • SEV (Gewerkschaft, Zweitausbildung SBB): Thematisiert Rahmenbedingungen wie Kostenrückforderung und Treuefristen nach Abschluss von Zweitausbildungen.

FAQ

Wie lange dauert die Lokführer-Ausbildung im Schnitt?

Für viele Quereinsteiger:innen liegt die Ausbildungszeit häufig zwischen 11 und 18 Monaten. Je nach Bahn gibt es kürzere (z. B. 6 Monate) oder längere Modelle (z. B. Teilzeit mit rund 20 Monaten).

Wie lange dauert es von der Bewerbung bis zum ersten Einsatztag?

Rechnen Sie grob mit 14 bis 23 Monaten: Auswahlverfahren (oft 3–5 Monate) plus Ausbildung (je nach Programm 11–18 Monate, in Teilzeit länger).

Gibt es in der Schweiz eine klassische „Lehre als Lokführer:in“?

In der Regel nicht. Der Weg führt meist über eine Zweitausbildung nach abgeschlossener Grundbildung oder Matura – je nach Bahn mit eigenen Einstiegsbedingungen.

Kann ich die Ausbildung in Teilzeit machen?

Ja, einzelne Anbieter bieten Teilzeitmodelle an. Diese sind planungsfreundlich, verlängern aber die Gesamtdauer (ein typischer Richtwert sind rund 20 Monate).

Muss ich während der Ausbildung auf Einkommen verzichten?

Viele Programme sind als bezahlte Zweitausbildung konzipiert. Details (Lohnband, Zulagen, Spesen) unterscheiden sich je nach Bahn.

Wie viel Selbststudium ist realistisch?

Planen Sie je nach Anbieter mit einem spürbaren Anteil an Lernzeit neben dem Unterricht – das kann in intensiven Phasen zweistellig pro Woche sein.

Was ist der Unterschied zwischen Kategorie B und B100?

Vereinfacht gesagt: B100 ist stärker auf regionale Einsätze mit Begrenzungen ausgelegt, während B breiter einsetzbar ist. Welche Kategorie Sie anstreben, beeinflusst die Dauer und den Ausbildungsinhalt.

Wann fahre ich „allein“?

„Allein“ ist meist ein Prozess: Nach ersten Prüfungsschritten sind bei manchen Bahnen definierte Leistungen selbständig möglich, die Begleitung und Freigaben erfolgen aber schrittweise und betriebsspezifisch.

Welche Hürde sorgt am häufigsten für Verzögerungen?

Am häufigsten sind es nicht „fehlende Vorkenntnisse“, sondern Belastung, Lernaufwand, Schichttauglichkeit und das Bestehen der Eignungs- und Abschlussprüfungen.